HRW Bericht – Kinderarbeit in israelischen Siedlungen

Bild: © Public Domain - Wikimedia Commons

Ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) legt offen, dass hunderte palästinensische Kinder auf Farmen von israelischen Siedlungen im Jordanland arbeiten. Für den Bericht wurden 38 Kinder und 12 Erwachsene aus palästinensischen Kommunen befragt. Sie sind entweder auf Farmen angestellt oder arbeiten als Lehrer. Auch israelische und palästinensische Anwälte, die sich auf das Arbeitsrecht spezialisiert haben, sind Teil der Gruppe von Befragten.
Von 1967 bis 2012 wurden im Jordanland 125 israelische Siedlungen errichtet. Dazu kommen noch einmal fast genauso viele nicht genehmigte, „wilde“ Siedlungen. In den bewachten Wohnanlagen leben inmitten von 2,7 Millionen Palästinensern rund eine halbe Million Israelis.1)
Die Kinder arbeiten für nur rund 19 US-Dollar pro Tag auf den Farmen. Die jüngsten sind gerade einmal elf Jahre alt. Viele von ihnen gehen nicht mehr zur Schule. Sie arbeiten unter extremen Bedingungen. Spargel, Tomaten, Auberginen, Zwiebeln oder Datteln pflücken, waschen und verpacken gehört zu ihren Aufgaben. Die Kinder, die von HRW befragt wurden, sagten, dass sie von früh morgens an acht Stunden, sechs Tage die Woche arbeiten – während der Erntezeit sogar bis zu 12 Stunden am Tag. Trotz internationaler und israelischer Gesetze, die Kinderarbeit unter 15 Jahren verbieten, fangen viele mit 13 oder 14 Jahren an zu arbeiten. (ILO 138)
Die Kinder klagen nach der Arbeit mit Pestiziden über gesundheitliche Beschwerden, wie Hautausschlag. Außerdem über Rückenschmerzen nach dem Tragen von zu schweren Behältern und über Schnittwunden von scharfen Klingen, die zum Schneiden der Zwiebeln verwendet werden. Sie leiden unter hohen Temperaturen von 40 Grad Celsius, im Sommer sogar bis zu 50 Grad. Folgen sind Übelkeit und andere Symptome, die auf einen Hitzeschlag hindeuten. Keines der interviewten Kinder hat eine Krankenversicherung. Falls sie sich verletzen oder krank werden, müssen sie ihre Behandlung selbst bezahlen. Es existieren bei den Anstellungen keine Arbeitsverträge. Die arbeitsuchenden Palästinenser werden über Mittelsmänner an die Israelis in den Siedlungen vermittelt. Durch das Fehlen von Verträgen, ist es für die Arbeitnehmer fast unmöglich, ihre Rechte durchzusetzen.
Kinder sind die Minderheit der Palästinenser, die auf Farmen der israelischen Siedlungen angestellt sind. Wenn sie aber für die Siedlungen arbeiten, dann in der Landwirtschaft. Hauptgrund ist die finanzielle Unterstützung ihrer Familie. Aufgrund der hohen Arbeitslosenquote im Westjordanland von 19 Prozent (im Jahr 2012) reicht vielen Familien das Geld nicht zum Leben.2)
Da die Kinder schon früh mit der Arbeit anfangen, verlassen sie oft schon in der achten Klasse, im Alter von 14 Jahren die Schule. Von den befragten Kindern, die auf den Farmen arbeiten, haben die meisten die Schule frühzeitig verlassen. Von den 33 Kindern, die Vollzeit in der Landwirtschaft arbeiten, mussten 21 die Schule in der zehnten Klasse oder früher abbrechen.3)

  1. TAZ: Kinderarbeit in Israels Siedlungen – Stand 15.4.15 []
  2. Focus: Dauerkonflikt Siedlungsbau – Stand 15.4.15 []
  3. HRW: Ripe For Abuse, Summary – Stand 15.4.15 nicht verfügbar 1.7.15 []

Über antonia / earthlink

Nachdem ich im Sommer 2014 mein Abitur gemacht habe, arbeite ich derzeit als Bundesfreiwillige bei earthlink e.V. Im Herbst fange ich mit meinem Humangeografie Studium an. Die Arbeit hier ermöglicht es mir erste Erfahrungen in dem Arbeitsbereich, der mich interessiert, zu sammeln und herauszufinden ob es wirklich das Richtige für mich ist.
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