USA: Kinderarbeiter auf Farmen sollen besser vor Pestiziden geschützt werden

Bild: © Andjic - Dreamstime

Kinder, die in den Vereinigten Staaten während der Arbeit auf Tabakplantagen an Erbrechen, Kopfschmerzen und Schwindel leiden müssen – dies könnte zukünftig zu Ausnahmefällen gehören. Am 28. September 2015 wurde die Überarbeitung der Arbeitsschutzbedingungen in der Landwirtschaft durch die EPA (United States Environmental Protection Agency) abgeschlossen, die unter anderem festlegt, dass Pestizide nur von über 18-jährigen Arbeitern versprüht werden dürfen. Die Revisionen beinhalten die Verpflichtung zur Aufklärung über die Pestizide und deren gefahrenvermeidende Verwendung durch bessere Schutzausrüstung. Außerdem sollen mehr Möglichkeiten zum Waschen und – im Falle einer Vergiftung – Notfallstationen zur Entgiftung eingerichtet werden.1)

Dieser Schritt war seit langem überfällig: Seit mehr als zwei Jahrzehnten versuchen Anwälte und NGOS, die EPA zu stärkeren Regulierungen zum Schutz von Kindern bei der landwirtschaftlichen Arbeit zu bewegen.2)

Kinder, die legal keinen Alkohol und Tabak konsumieren dürfen, werden auf Tabakfarmen giftigen Pestiziden und Nikotin ausgesetzt.3)  Ein 12-jähriger Junge in North Carolina schilderte gegenüber HRW seine Kopfschmerzen bei der Arbeit mit den Worten: „Es war schrecklich. Als wäre etwas in meinem Kopf, das versucht, ihn aufzufressen.“4)
Viele Kinder berichten, dass sie die chemischen Substanzen in der Luft riechen und fühlen konnten, als sie auf sie zukamen.3)

Kinder arbeiten oft auf Feldern, auf denen unmittelbar vorher Pestizide versprüht wurden. Teils werden sie auch selbst in der Pestizidbehandlung eingesetzt. Bei einer Befragung von Human Rights Watch gaben nur sehr wenige Kinder an, eine Unterweisung über Sicherheits- und Gesundheitsrisiken und Schutzmaßnahmen von ihrem Arbeitgeber erhalten zu haben. Außerdem fehlen Waschmöglichkeiten, wodurch Pestizid- und Tabakruckstände auch während den Mittagspausen an den Händen der Kinder bleiben.4)

Die Langzeitfolgen der Pestizidbelastung sind besonders für Kinder immens. Weil sie sich noch immer in der Entwicklung befinden, äußert sich die Belastung durch Pestizide oft in Lern- und Bewusstseinsstörungen, Depressionen, Atemwegserkrankungen sowie Krebs und Unfruchtbarkeit.
Pestizide sind laut dem NRDC (Natural Resources Defense Council) eine der fünf Hauptgefährdungen für die Gesundheit von Kindern.5)

2014 wurde erstmals seit 20 Jahren eine Revision der Arbeitsschutzbedingungen geplant. Angedacht war zu dem Zeitpunkt noch das Mindestalter von 16 Jahren für die Pestizidanwendung und das Betreten von Feldern, die kürzlich mit Pestiziden besprüht wurden. Da sich im Alter von 16-18 Jahren Körper und Gehirn noch maßgeblich entwickeln und die persönliche Risikobereitschaft bei einem 16-Jährigen deutlich höher als bei einem 18-Jährigen eingestuft wird, wurde das Mindestalter auf 18 erhöht. Allerdings entfällt diese Altersbegrenzung bei Familienangehörigen der Farmbesitzer.2)4)

Die Arbeitsbedingungen im landwirtschaftlichen Bereich sind für Kinder noch immer prekär: Sie sind jünger, arbeiten länger und in gefährlicherem Umfeld als in irgendeinem anderem Arbeitssektor. Außerdem dürfen Farmarbeiter nach geltendem US-Recht keine Tarifverhandlungen durchführen. Durch diese Missstände sind die Arbeiter, insbesondere Kinder, besonders angreifbar für Ausbeutung. Auch Verletzungen und Krankheit sind in der landwirtschaftlichen Arbeit eine alltägliche Gefahr. Darum ist die Überarbeitung der Arbeitsschutzbedingungen der EPA ein wichtiger Meilenstein. Es bleibt zu hoffen, dass die Revisionen entschlossen durchgesetzt werden, um minderjährige Arbeiter vor den Pestiziden zu schützen.2)

Die Regulierungen sind definitiv ein Schritt in die richtige Richtung, aber hoffentlich nicht der letzte in den nächsten 20 Jahren.

  1. United States Environmental Protection Agency: Agricultural Worker Protection Standard Revisions; nicht mehr verfügbar []
  2. Humans Rights Watch: Dispatches: Finally- US To Protect Child Farmworkers From Pesticides – zuletzt aufgerufen am 30.09.2015 [] [] []
  3. Human Rights Watch: Tell the EPA to Protect Kids from Pesticides – zuletzt aufgerufen am 30.09.2015 [] []
  4. Human Rights Watch: USA: Gefährliche Arbeit auf Tabakplantagen – zuletzt aufgerufen am 30.09.2015 [] [] []
  5. Natural Resources Defense Council: Trouble on the Farm; nicht mehr verfügbar []

Über hannah / earthlink

Hallo da draußen, im Jahr 2015/16 begleit ich earthlink als Bundesfreiwillige. Neben Recherchearbeiten und dem Schreiben von Artikeln gehört auch das Blumengießen zu meinen speziellen Befähigungen. Auf euch als Interessenten, Sympathisanten und Diskutanten von earthlink frei i mi!
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