Arbeit in Ziegelbrennereien: Wenn der Kampf gegen den Klimawandel zu einem Kampf gegen Kinderarbeit wird

In Ziegeleien müssen Kinder unter unwürdigen Bedingungen arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen | Bild: © ILO in Asia and the Pacific [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

Wenn Schülerinnen und Schüler freitags gegen den Klimawandel demonstrieren, so kämpfen sie nicht nur für eine saubere Umwelt, sondern auch für andere Kinder. Denn Klimaveränderungen hängen mit einer zunehmenden Ausbeutung von Minderjährigen in Entwicklungsländern zusammen. Dadurch bleibt ihre Bildung auf der Strecke, weshalb ihre Zukunftsaussichten nur selten positiv sind. Böden sind meist ausgelaugt und der Acker von Bauern liefert kaum mehr Erträge. Deshalb sind Familien zu saisonaler oder dauerhafter Arbeitsmigration gezwungen und auf die Löhne ihrer Kinder angewiesen. Die Auswirkungen eines unberechenbaren Klimas werden vor allem in Indien zur Monsun-Zeit deutlich: Die Dauer der arbeitsbedingten Wanderschaft hat sich von drei auf sechs Monate erhöht. Öfen der Ziegeleien können nur außerhalb der Regenzeit betrieben werden. Deshalb werden in diesem Zeitrahmen besonders viele Arbeiter gesucht und vor allem Kinder werden dort für einen geringen Lohn beschäftigt. Wenn der Monsun beginnt – was mittlerweile aufgrund des Klimawandels nicht mehr vorhersehbar ist – ziehen die Familien dorthin weiter, wo es wieder Arbeit gibt. Die Kinder werden durch ihre ständigen Ortswechsel nur noch schlecht von Regierungsprogrammen erreicht und können in Gegenden, in denen eine andere Sprache gesprochen wird, im Unterricht nicht mehr mithalten. Für Minderjährige als Saisonarbeitskräfte fällt die Schule halbjährlich ganz aus.1)

Asien hat noch immer schwer mit Kinderarbeit zu kämpfen. So schätzt zum Beispiel die ILO die Zahl der arbeitenden Mädchen und Jungen allein in Indien auf 44 Millionen. Darunter befinden sich auch 10 Millionen, die bereits in einem Alter zwischen fünf und 14 Jahren Arbeit verrichten müssen. 12 Prozent der Kinderarbeit findet im industriellen Sektor statt – darunter auch in Ziegeleien, wo die Arbeit besonders unwürdig ist.2)

Nicht bloß in Indien arbeiten Kinder in der Ziegelproduktion – auch in Bangladesch, Peru, Afghanistan und Pakistan müssen Minderjährige über zehn Stunden bis zu sieben Tage die Woche arbeiten. Der Lohn liegt bei gerade einmal zwei US-Dollar pro Tag. Mit diesem Geld soll die Familie finanziell unterstützt werden und einige Kinder versuchen zusätzlich für ihre teuren Schulutensilien zu sparen. Doch für Bildung bleibt bei der harten Arbeit meist keine Zeit mehr. Die Jungen und Mädchen verbringen lange Stunden in der Mittagshitze mit dem Pressen der schweren Masse in Ziegelformen und dem Stampfen der Ziegelerde. Sie transportieren schwere Ladungen zum Ofen, stapeln die Steine dort und müssen den Brennofen bis oben hin füllen. Dementsprechend schlecht steht es um die Gesundheit der Kinder.3)4)5)6)

„Mir tut die Hüfte weh und die Augen schmerzen, weil es viel Staub gibt. Auch meine Hände tun mir weh, weil ich die Ziegel tragen muss. Und meine Beine schmerzen, weil ich den ganzen Tag hin- und herlaufen muss“, erzählt die neunjährige Margarita, die in einer Ziegelbrennerei Perus arbeitet. Durch die raue Oberfläche der Ziegel fügen sich Mädchen und Jungen oft blutige Risse an Händen und Füßen zu, die sich oft auch entzünden. Nicht selten sind sogar Nierenleiden die Folge. Aufgrund des eingeatmeten Staubs leiden sie zudem unter Krankheiten der Atemwege und des Magens.4)6)

Trotz der harten Tätigkeit verdienen die jungen Arbeiter kaum Geld und sind deshalb oft unterernährt. Für die Schule fehlt Schlaf, finanzielle Unterstützung, Konzentration und Zeit. Somit haben nur wenige in der Zukunft eine Aussicht auf bessere Arbeit und bleiben vermutlich für immer in derartig ausbeuterischen Jobs gefangen.4)

Immer wieder tauchen Berichte über schwere Unfälle in Ziegeleien auf. Ende Januar starben in Bangladesch mindestens 13 Arbeiter, als ein beladener Laster nachts in eine provisorische Hütte, in der die saisonalen Arbeiter schliefen, kippte. Neun der Opfer waren Schuljungen aus Nilphamari, die nach Kumilla gekommen waren, um ihre Familie finanziell zu unterstützen. Oft erscheinen in den Medien auch Berichte über Zwangsarbeit, wie zum Beispiel als im Februar 20 Kinder aus einer Ziegelbrennerei Hyderabads – einer Stadt Indiens – befreit wurden.5)7)

Kinderarbeit steht immer in Verbindung mit einem weltweit zusammenhängenden Konsum. Deutschland zählt zum Beispiel zu den fünf großen Exportzielen Indiens. Nicht nur der Import durch Kinderhand gefertigter Produkte fördert Kinderarbeit, sondern auch die generelle Einfuhr billiger Güter aus Entwicklungsländern. Denn dadurch wird die Armut in den jeweiligen Ländern weiter verstärkt und Kinder sind gezwungen, ihre Familien finanziell zu unterstützen. Zudem verschärft der durch Industrienationen mit-verursachte Klimawandel den Konflikt um Kinderarbeit zunehmend.8)

  1. SZ, Wie Klimawandel und Kinderarbeit zusammenhängen – Artikel vom 07.06.2017 []
  2. SOS-Kinderdörfer, Kinderarbeit in Indien – Stand: 18.03.2019 []
  3. DW, Kinderarbeit – noch kein Auslaufmodell – Artikel vom 12.06.2018 []
  4. Kindernothilfe, Wo Ziegelsteine die Zukunft verbauen – Stand: 18.03.2019 [] [] []
  5. The Daily Star, Brick kilns‘ child labour problem – Artikel vom 02.03.2019 [] []
  6. Pragativadi, 47 children rescued from brick kilns in Hyderabad – Artikel vom 21.02.2019 [] []
  7. Odishatv.in, 20 Odisha Children Rescued from child labour in Telangana – Artikel vom 24.02.2019 []
  8. OEC, Indien – Stand: 18.03.2019 []

Über Ananya / earthlink

Ich heiße Ananya, bin 20 Jahre alt und studiere Politikwissenschaft an der LMU. Mir liegen unsere Umwelt und die Schicksale anderer Menschen sehr am Herzen. Deswegen möchte ich hier bei earthlink e.V. einen kleinen Teil zur Verbesserung der Welt beitragen.
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