Wie wir mit unserem Handykauf einen Unterschied machen können

Kinderarbeit Minen Handy Smartphones

Kinder müssen für unsere Smartphones in Minen arbeiten | Bild: © Enough Project [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

2018 wurden über 1,4 Milliarden neue Smartphones verkauft. Auch wenn die Anzahl im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist, sind die Verkaufszahlen enorm.1) Was natürlich seinen Grund hat: Das Smartphone wird immer intensiver genutzt. Mehr als die Hälfte der Deutschen sollen laut einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität mehr als eine Stunde pro Tag für das Telefonieren, Texten und Surfen mit dem Smartphone aufwenden. Der meist tägliche Begleiter spielt eine zentrale Rolle im Leben der Deutschen. Schlangen vor Applestores bei Produktlaunches zeigen, wie wichtig es vielen ist, dass ihr täglicher Begleiter das Neueste vom Neuen ist.
((BVDW: Digitale Nutzung in Deutschland 2018; zuletzt aufgerufen am 14.3.2019))2)3)

Smartphones werden gekauft ohne sich genauer damit auseinander zu setzen, wie die Firmen produzieren und ohne darüber nachzudenken, was es bedeutet, wenn man sein Handy bereits nach ein bis zwei Jahren austauscht.
Neben Umwelt- und Klimaschutzaspekten sind natürlich die Arbeitsbedingungen prekär. Lange Arbeitszeiten, Ausbeutung  und Kinderarbeit stecken hinter unzähligen Smartphones.
Für unsere Smartphones werden viele Rohstoffe benötigt, wie Kobalt. Ein großer Teil des Rohstoffs kommt aus der Demokratischen Republik Kongo – gewonnen durch Kinderarbeit. Schwere Säcke schleppen, Gestein aussortieren, in unterirdischen Schächten, ohne Schutzausrüstung, langfristige Gesundheitsprobleme – häufig der Alltag von Kindern, die in Kobalt-Minen arbeiten müssen.
Die Lieferketten sind unübersichtlich und unreguliert. Das hat zur Folge, dass sich eine Rückverfolgung von unseren Geräten häufig als schwierig herausstellt und sich am Ende schwer nachvollziehen lässt, wer bei der Fertigung beteiligt war und wie diese ablief.4)

Der Rückgriff auf Siegel ist meistens eine gute Lösung um faire Produkte zu finden. Gute Nachhaltigkeitslabels gibt es für Smartphones und Notebooks jedoch kaum.
Eines der Labels, bei welchem auf Nachhaltigkeit geachtet wird, ist das TCO Certified Siegel. Die Anforderungen sind sehr hoch und neben Umweltfreundlichkeit, zeichnet das Label auch sozialverträgliches Verhalten aus. Das Siegel zertifiziert damit unter anderem Smartphones, die Richtlinien wie das Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit einhalten. Es gilt außerhalb von kleineren Schwachstellen als Siegel, das für Verbraucher eine gute Orientierung gibt.5)6)
Eine Möglichkeit, beim Smartphone-Kauf Kinderarbeit zu vermeiden, bietet sich auch, wenn man direkt auf faire Alternativen zurückgreift. Zwei Unternehmen, die eine faire Smatphone-Produktion verfolgen: Fairphone und Shiftphone.
Der Shift Report 2016 über das Shiftphone beinhaltet einen konkreten Punkt über Kinderarbeit:
„Kinderarbeit ist für uns und die ausgewählten Betriebe selbstverständlich. Manchmal kommt es vor, daß Mitarbeiter zwar schon 16 sind, aber ihr Pass noch etwas anderes sagt. Dies liegt daran, dass manche Chinesen erst sehr viel später registriert werden und das genaue Geburtsdatum dann nicht mehr bekannt ist. Meist sind die Personen dann wesentlich älter als im Pass angegeben. Dies war für uns eine ungewohnte Tatsache. In zwei Fällen haben wir diese Situation bei einer TAOS Inspektion einer Fertigung für einen anderen Hersteller in einem Partner- Unternehmen erlebt: Einmal war die Person wenige Tage und einmal mehrere Wochen unter 16 Jahren (laut ID-Dokument). Um hier sicherzugehen, achten wir seit diesem Erlebnis auf den genauen ID-Eintrag und nicht die Angaben der Mitarbeiter.“
Mit dem Shiftphone hat die Firma also den Anspruch Kinderarbeit bei der Produktion des Smartphones zu verbannen und versucht dies mit Kontrollen auch fest durchzuziehen.7)

Neben den Möglichkeiten, bei bestimmten Modellen auf sinnvolle Labels zu achten, oder auf Firmen zurückzugreifen, die Transparenz und Fairness auf ihre Agenda setzen, gibt es auch noch eine dritte Möglichkeit.8) Smartphones aus zweiter Hand. Es ist die nachhaltigste Variante, bei welcher man keine zusätzlichen Ressourcen verbraucht.9)

  1. Deskmodder.de: Smartphone Verkaufszahlen 2018 – Die Gewinner sind Huawei und Xiaomi; zuletzt aufgerufen am 13.3.2019 []
  2. Handelsblatt: Ohne Smartphone bricht Panik aus; 22.5.2017 []
  3. futurezone.de: Vor iPhone-Launch: Schlangestehen vor den Apple Stores; 12.9.2017 []
  4. Utopia: Für unsere Smartphones arbeiten Kinder; 7.3.2017 []
  5. Siegelklarheit: TCO Certified Smartphones 2.0; zuletzt aufgerufen am 13.3.2019 []
  6. utopia: TCO-Siegel: Das strenge IT-Label aus Schweden; 9.12.2018 []
  7. Shiftphone: SHIFT Report 2016; zuletzt aufgerufen am 14.3.2019 []
  8. utopia: Fairphone macht Lieferketten von Zinn, Gold, Tantal und Wolfram transparent; 21.6.2016 []
  9. utopia: Bestenliste faire Smartphones; zuletzt aufgerufen am 13.3.2019 []

Über Jacqueline / earthlink

Hi, ich bin Jacqueline und studiere Politikwissenschaft an der LMU München. Ich interessiere mich für internationale Politik und besonders die Auswirkungen unseres Handelns auf den Rest der Welt sind für mich spannend.
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