Wenn Soldat zu werden der einzige Ausweg ist

Kindersoldat aus Afghanistan

Bild: © Robin Kirk [CC BY 2.0] - Flickr

“Es ist meist die absolute Not, die Kinder in die Arme bewaffneter Gruppen treibt”, so Ekkehard Forberg, Friedensexperte bei World Vision. Die Kinderhilfsorganisation World Vision führte eine Studie durch, die sich mit den Ursachen beschäftigt, warum Kinder sich freiwillig bewaffneten Gruppen anschließen. Die Organisation befragte zu diesem Thema befreite Kindersoldaten in verschiedenen Ländern. Die Länder waren die DR Kongo, der Irak, Kolumbien,  der Südsudan und die Zentralafrikanische Republik. Diese „Freiwilligkeit“ entspricht laut Forberg nicht wirklich einer echten Freiwilligkeit, da die Kinder keine andere Wahl haben.

Kinder sind am stärksten von Krieg betroffen, aber tragen die geringste Verantwortung. Die Mehrheit der Kinder wird nicht entführt oder gezwungen, sondern wird durch ihre Verzweiflung dazu gebracht und sieht den Beitritt zu solchen Gruppen als letzte Lösung. World Vision ist der Meinung, dass diesem Zustand im Gegensatz zu Entführungen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Die Zahl der bewaffneten Gruppen in verschiedenen Konfliktsituationen nimmt immer weiter zu. Weltweit werden circa 250.000 Kinder und Jugendliche in mindestens 19 Ländern als Soldaten rekrutiert. Am anfälligsten sind laut World Vision Waisenkinder, Kinder, die die Schule nicht besuchen, Straßenkinder, vertriebene Kinder, Kinder, die die Verantwortung des Haushalts übernehmen, Kinder, die Gewalt zu Hause erleben und Kinder, die Drogen ausgesetzt sind.1)2)3)

Häufig wird gesagt, dass Jungen als Kämpfer und Mädchen als zwangsverheiratete Frauen fungieren. Mädchen können jedoch auch als Spione verwendet werden oder sogar Kämpfer sein.

Die Gründe, die dafür sorgen, dass Kinder sich den Truppen anschließen, können verschiedene sein: Fehlende Bildung und fehlende Arbeit, Gruppenzwang und Zugehörigkeitsgefühl und Armut sind drei solcher Gründe. Millionen Kinder haben keine Möglichkeit Bildung in Anspruch zu nehmen. Vielen wird dieser Zugang zur Schule durch Gewalt, Schäden an der Schule und durch Vertreibung verwehrt. Neben eh schon knappen Ressourcen und großen Problemen fehlen auch qualifizierte Lehrer und häufig auch die nötigen Finanzierungen. 1)2)4)

Kinder, die keinen Zugang zu Bildung erlangen, sind eher davon betroffen, rekrutiert zu werden. Kinder mit guter Ausbildung sind weniger anfällig dafür.

Nicht nur die Bildung spielt eine wichtige Rolle. Kinder bedürfen häufig einer Zugehörigkeit. Sie suchen in solchen Gruppen genau diese und lassen sich eher rekrutieren, wenn bereits andere bekannte Kinder Teil der Gruppe sind.

Für Kinder, die weder Zugang zu Bildung haben, die keine Einkommensquelle haben, die vielleicht ohne Eltern aufwachsen, kann ein Beitritt zu einer bewaffneten Gruppe eine Überlebensstrategie sein. Ein Job wirkt für Jugendliche somit präventiv. Da die Betroffenen damit ihre Grundbedürfnisse versorgen können – können sie das nicht, wird eine solche Gruppe als Ausweg gesehen. Besonders für ältere Kinder und Jugendliche sind die wirtschaftlichen Faktoren entscheidend bei Beitrittsfragen.

Kinder sind also durch ihr Leben in Konflikt- und Krisengebieten dazu gezwungen, sich solchen Gruppen anzuschließen. Der Begriff „freiwillig” sollte daher hinterfragt werden.

Präventionsarbeit muss auf verschiedenen Ebenen stattfinden. Sowohl müssen die äußeren allgemeinen Umstände angegangen werden, also Konfliktlösung, Bekämpfung von Unsicherheit oder Ungleichheit, als auch die, die Kinder direkt betreffen, heißt: Stärkung des Kinderschutzes oder Zugang zur Bildung. Denn die Finanzierung für Lösungen, die an solchen Punkten ansetzt, fällt bisher sehr gering aus. Um die „freiwillige“ Art der Rekrutierung zu vermindern, sollte an präventiver Unterstützung gearbeitet werden.1)2)

  1. epo: Studie untersucht freiwilligen Beitritt zu bewaffneten Gruppen; 4.4.2019 [] [] []
  2. wvi: No choice; Februar 2019 [] [] []
  3. tdh: Kindersoldaten; zuletzt aufgerufen am 5.4.2019 []
  4. kindernothilfe: Bildung ändert alles; zuletzt aufgerufen am 5.4.2019 []

Über Jacqueline / earthlink

Hi, ich bin Jacqueline und studiere Politikwissenschaft an der LMU München. Ich interessiere mich für internationale Politik und besonders die Auswirkungen unseres Handelns auf den Rest der Welt sind für mich spannend.
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